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Verwirrung



V for Vendetta
Regie: James McTeigue
Darsteller: Natalie Portman, Hugo Weaving, John Hurt
V wie Vendetta bei IMDb


Comicverfilmungen haben einen schweren Stand. Gut, sie haben keinen Nemesis wie Uwe Böll der die ganze Gattung systematisch in den Ruin treibt, aber besonders rosig sieht es für sie auch nicht aus. Gerade die Mainstreamcomics leben vom Konzept der Serialisierung, dass sich in den USA erst während der letzten Jahre langsam verständlich machte (während wir in Deutschland allerdings immer noch meilenweit davon entfernt zu sein scheinen, urteilt man nach den jüngsten Film- und Fernsehproduktionen).
Richtig gute Comicverfilmungen sind nach wie vor eine echte Rarität (Ghost World, Sin City, um mal zwei Beispiele in den Raum zu stellen). Eine der vielversprechendsten Ankündigungen der vergangenen Jahre im Bereich Comicverflimungen war der Entschluss des amerikanischen DC Verlags, Werke seines Tochterverlags Vertigo zur Verfilmung unter eigenem Label zur Verfügung zu stellen. Das Debüt dieses neuen Labels war "Constantine" mit Keanu Reeves, eine Figur die übrigens von Alan Moore während der frühen 80er für seinen berühmten "Swamp Thing"-Run erfunden wurde. Constantine war kein schlechter Film. Nichts weltbewegendes zwar, nichts über das man länger nachdenken sollte, aber es hätte ungleich schlimmer kommen können. Ein kurzweiliger Film, der Hoffnung auf eine leuchtende Zukunft des Vertigo-Labels im Filmgeschäft machte.

Noch bevor Constantine in deutschen Kinos anlief, war bekannt, dass das nächste Projekt schon in den Startlöchern stand: V for Vendetta, eine Graphic Novel von Alan Moore, sollte der nächste große Film werden. Nun muss man wissen, dass Moore-Verflimungen von Haus aus dazu neigen ihrer Vorlage hemmungslos unterlegen zu sein, mal mehr (League of Extraordinary Gentlemen), mal weniger (From Hell), aber immer haushoch.
Produktion: Joel Silver, Drehbuch: Wachowski Brüder. Hui, gleich drei Dinge auf einmal: Damit konnte man den Film nicht nur als Bewährungsprobe für das noch junge Vertigo-Films-Label und Alan Moore Verfilmungen sehen, er sollte auch endlich Klarheit darüber verschaffen, ob das "Matrix Revolutions"-Desaster bloß ein Ausrutscher war, oder ob die Wachowskis einfach lange Zeit ein "highly overrated phenomenon" waren.

Die ersten Trailer waren vielversprechend: Natalie Portman ließ sich kahlscheren, Hugo Weaving machte unter der Guy Fawkes-Maske eine gute Figur, und David Lloyd, einst Zeichner von V, lobte den Film in höchsten Tönen. Das Lloyd als Zeichner schon seit Langem nur mäßig erfolgreich ist und sein Bekanntheitsgrad zum Allergrößten Teil auf V beruht, hat damit sicher nichts zu tun. Mr Moore jedenfalls beantwortete die Einsendung des Wachowski-Skripts mit einem Wort: "Bullshit". Sprachs und verbot prompt jede Nennung seines Namens im Zusammenhang mit dem Film.
Keine optimalen Voraussetzungen, aber wer Mr Moore kennt weiß, dass dieser, wie alle guten Schriftsteller, dazu neigt etwas kauzig auf die Verwurstungen seiner Werke zu reagieren. Das gabs auch in der Vergangenheit schon (Stichwort: Kubrick und King mit Shining), war aber noch nie Garant für einen schlechten Film.
Also wartet man freudig den Kinostart ab um sich selbst ein Bild von der Sache zu machen.

Eins vorneweg: Mr Moore hatte Recht.
Wenn man für einen Film eine bereits bestehende Geschichte adaptiert, meist aus einem Buch, manchmal aus einem Comic, seltener auch aus anderen Medien, dann hat man prinzipiell folgende Möglichkeiten: Man übernimmt die Vorlage inhaltlich, formal oder gar nicht.
Mischungen der ersten beiden Punkte sind üblich, schwieriger wird es bei Mischungen der Punkte eins und drei. Das ist dann meist ein deutliches Zeichen dafür, dass die zuständigen Filmemacher mit der Vorlage auf die ein oder andere Weise überfordert waren. Betrachtet man das Drehbuch der Wachowskis erhält man den Eindruck, sie hätten ihre Version von V auf Basis der Nacherzählung eines Drittklässlers geschrieben.

Auch das muss noch kein Garant für schlechtes Kino sein (Stichwort: From Hell). Solange der Film in sich funktioniert kann man ihn ja nicht wirklich schlecht nennen, er ist dann eben nur nicht so gut wie die Vorlage, was jemanden der die Vorlage nicht kennt, aber nicht weiter stören dürfte. Umso erstaunlicher ist es, wie die Wachowskis es geschafft haben, die vielversprechende Vorlage in ein derart durchgängig miserables Drehbuch zu verwandeln. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Oberflächlichkeiten, die Plot Holes und den unerträglichen Hang zum Geschwafel, auf den sich der geplagte matrixerfahrene Kinogänger ohnehin schon irgendwie eingestellt hat.
Was an diesem Film wirklich stört und zwar derart massiv stört, dass man am Liebsten noch während der Vorstellung aufstehen und laut losschreien möchte, ist die Art und Weise, wie Motive aus dem Zusammenhang gerissen und zu einer völlig unsinnigen Botschaft zusammengeschraubt werden. In einem Satz: Das Drehbuch ist kompletter Müll, zum Schreien trashig und um Längen schlechter, als ich es mir im Vorhinein auszumalen gewagt hätte.

Darüberhinaus stilisiert der Film seine maskierte Hauptfigur zum Helden, rechtfertigt jede seiner Handlungen, auch wenn diese Mord und Terrorismus einschließen, als vertretbar. Sowas ist vielleicht für einen Actionfilm legitim, aber nicht für einen Film, der von sich behauptet, eine politische Botschaft vermitteln zu wollen. Das einzige was hier vermittelt wird ist Nihilismus und zwar den von der allerübelsten Sorte, ich rede hier von "Big Lebowsky"-Nihilismus, okay?
Das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass Moores Motive noch immer eine ungeheure Sogkraft auf den Zuschauer ausüben. Die wenigen Grundzüge die man aus V übernommen hat, verleihen dem Film eine eigentümliche Faszination, die hier leider dazu missbraucht wird, eine absolut hirnrissige Botschaft zu verkaufen.
Ohne jetzt spoilern zu wollen: Aber was erreicht V am Ende des Films? Er hat eine Menge Leute umgebracht, einen Haufen Gebäude in die Luft gesprengt und die Regierung zerstört. Den Aussagen des Films nach, hat er die Welt ins Chaos gestürzt. Hier endet der Film.
Die entscheidende Aussage, eine der Hauptaussagen der Vorlage, dass das Chaos nur eine Übergangsphase ist, dass die entscheidende Phase erst nach dem "Land of Take what you want" beginnt, wird komplett ausgespart. Wie man einem intelligenten und aufgeklärten Publikum heutzutage so einen Unsinn vorsetzen kann, ist mir unbegreiflich.

So, jetzt aber genug übers Drehbuch gelästert, der Rest des Films kommt glücklicherweise etwas besser davon. Schauspieler und Kamera sind nämlich tatsächlich ganz passabel, rein visuell könnte man V fast als gelungen bezeichnen. Darünberhinaus sind die Szenen, die man 1:1 aus der Vorlage übernahm nach wie vor ungebrochen kraftvoll. Als Beispiel sei hier die Gefängnisszene genannt, in der unter anderem Valeries Brief wörtlich, mit nur wenigen Kürzungen aus der Vorlage übernommen wurde. Die etwa zehnminütige Gefängnisszene ist wirklich stark und lässt erahnen, was für ein Film V hätte werden können, wenn man es richtig angestellt hätte.

Mit dem Soundtrack ist das wieder so eine Sache... Immerhin kommt die Vorlage bereits mit einem eigenen Soundtrack daher, darunter das grandiose, von Moore eigens komponierte "Vicious Cabaret", von dem allerdings im fertigen Film nichts mehr übrig ist (was aber auch, angesichts der Veränderungen an der Story nicht mehr wirklich sinnvoll gewesen wäre). Um es kurz zu machen: Für sich genommen ist der Soundtrack okay. Im Vergleich mit der Vorlage erntet er jedoch nur Kopfschütteln.

Die Beurteilung der Regie fällt schwer. Durch das auf Effekthascherei fixierte Drehbuch bieten sich dem jungen Regisseur nur wenige Gelegenheiten sein Können auszuschöpfen, dort aber kann man ihm eigentlich nichts vorwerfen. Der Film ist solide inszeniert und es würde mich nicht wundern, wenn wir an anderer Stelle noch einmal von McTeigue hören würden. Hier hatte er halt einfach Pech bei der Auswahl seines Drehbuchs.


Fazit: V wie Vendetta ist ein wirklich schlechter Film.
Abgesehen von der Gefängnisszene, die, für sich betrachtet, wirklich gelungen ist, ist der Film zu keiner Minute sein Eintrittsgeld wert. Die Actionszenen sind passabel, aber das Wachowski-typische Gelaber nervt tierisch und die vermeintlich politische Botschaft des Films entpuppt sich als hanebüchener Marketinggag.
Um es kurz zu machen: Ein überflüssiger und sehr, sehr dummer Film, den man in seiner jetzigen Fassung mit Recht als gefährlich bezeichnen darf.
"The audience should not be afraid of the movies..." Schön wärs.



Wertung: 2/10



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