Best in Texas
Planet Terror
Regie: Robert Rodriguez
Darsteller: Rose McGowan, Freddie Rodríguez, Marley Shelton
Planet Terror bei IMDb
Grindhouse bei IMDb
Hier also wie angekündigt das Grindhouse-Pendant zu Tarantinos Death Proof. Im Original stellte Planet Terror die erste Hälfte des Double Features, die Veränderung der Reihenfolge ist für das Sehvergnügen aber glücklicherweise völlig unerheblich. Darüberhinaus hat man sich beim deutschen Verleih Senator dazu durchringen können, zumindest Rodriguez
Machete-Trailer zu zeigen. Der ist zwar lange nicht so gut wie Rob Zombies
Werewolf Women of the SS, aber irgendwas muss ja schließlich auch für die DVD-Verwurstung übrig bleiben.
Wobei diese wohl von vornherein zum Scheitern verurteilt sein wird, denn ebenso wie schon Death Proof ist Planet Terror ein Film, der nur im Kino richtig funktionieren kann. Doch das wars dann auch schon fast mit den Gemeinsamkeiten. In Rodriguez Gesamtwerk steht Planet Terror sicherlich From Dusk Till Dawn am Nächsten. Wen also bei Tarantino vor allem der niedrige Gorefaktor bei hoher Dialogdichte störte, der kommt hier voll auf seine Kosten. Es wird gesplattert was das Zeug hält und zwar in einem Maße, dass man sich durchaus das ein oder andere Mal an Jacksons Frühwerk Braindead erinnert fühlt. Dabei ist sich Rodriguez für keinen Gag zu schade und zielt auch schon mal öfter in Richtung adoleszenter Fäkalhumor. Das die ganze Sache trotzdem nicht nur erträglich bleibt, sondern sogar richtig Spaß macht, liegt vor allem an Rodriguez hemmungslosem Hang zur Übertreibung, den er hier mal wieder so richtig ausleben darf. Planet Terror ist Sin City, gefilmt im Stil von Spy Kids. Blutig, bunt und in keinster Weise ernst zu nehmen.
Insofern erfüllt Rodriguez Film auch eher die Erwartungen, die man an ein Projekt wie Grindhouse im Vorfeld stellen würde. Er persifliert und hommagiert gleichermaßen, oft beides in einer einzigen Einstellung. Während Tarantino sich allerdings eher auf der intellektuell abstrakten Ebene bewegt und dabei durchaus Gefahr läuft sein Publikum zu verlieren, stürzt sich Rodriguez von einer Materialschlacht in die nächste. Selbst wer hier, was das Filmische angeht, völlig aussteigt, wird sich immer noch prächtig unterhalten fühlen, vorausgesetzt man bringt einen splatterfesten Magen mit. Und gerade das macht den Reiz des Double Features aus, die Gegensätzlichkeit der Ansätze, mit denen Tarantino und Rodriguez das Thema Grindhousekino verarbeiten. Wäre Planet Terror nicht so bunt und laut, er wäre ein Hit für jedes Programmkino
Was die Handlung angeht so folgt Planet Terror eisern den Gesetzen des Zombiefilms. Von den scheinbar willkürlich zusammengeworfenen Figuren, dem gemächlich aber stetig eskalierenden Szenario, bis hin zum leicht entrückten Ende, gelingt es Rodriguez meisterhaft die Grundmotive des Zombiefilms zu nutzen. Zusammengehalten wird das ganze durch das absurde Schicksal der Protagonistin mit dem klingenden Namen Cherry Darling, die im Verlauf des Films ihr verlorenes Bein durch ein Maschinengewehr ersetzt. Gespielt wird sie von Rose McGowan, die diese Rolle fantastisch ausfüllt. War sie in Death Proof noch das naive Blondchen, mit dem alleinigen Zweck zu zeigen, wie fies der Bösewicht wirklich ist, hat sie in Planet Terror nicht nur die größte Leinwandpräsenz, sondern auch die einzige Figur die wirklich Tiefe und Charakter entwickelt, sofern das in einem Film wie Planet Terror überhaupt möglich ist. Die Figur wirkt dabei über weite Strecken wie das emanzipiertere Gegenstück zu Francine Parker aus Dawn of the Dead.
Ihr männlicher Counterpart wird gespielt von Freddy Rodriguez und der watet weitestgehend im knietiefen B-Movie-Ex-Elitesoldat-Klischeeschlamm, was aber nicht weiter stört, da es einfach sehr gut ins Szenario passt. Sehr viel interessanter ist dagegen das Wiedersehen mit *texanischer Akzent an* Dr. Block *texanischer Akzent aus*, die die weibliche Supporting Role innehat und zwischen zwei Slapstickszenen auch mal einen richtig guten Dialog abbekommt. Marley Shelton chargiert dabei, dass es eine wahre Freude ist und da sie ja jetzt gewissermaßen Teil des Tarantino/Rodriguez Kosmos um Ranger Earl McGraw ist, darf man auf weitere Gastauftritte von ihr in kommenden Filmen hoffen.
Ansonsten platzt Planet Terror geradezu vor Cameos, von Josh Brolin, Stacey 'Fergie' Ferguson, über Bruce Willis bis hin zum unvermeidlichen Auftritt von Tarantino werden alle denkbaren Zielgruppen bedient. Und für diejenigen, denen das immer noch nicht reicht, hat Rodriguez noch die Crazy Babysitter Twins eingeladen
Der Sountrack erinnert über weite Strecken frappierend an die alten Horrorschinken à la Carpenter und Romero und trägt somit seinen Teil zur eigentümlichen Grindhouse-Stimmung bei. Durchsetzt wird das ganze vom obligatorischen Texmex-Mix, von Rodriguez gewohnt stilsicher zusammengestellt.
Besondere Erwähnung verdienen auch die zahlreichen Special Effects, die wirklich gut geworden sind. Neben dem obligatorischen Gore/Splatter/Action-Feuerwerk überzeugt vor allem Cherrys abgetrenntes Bein, das täuschend echt umgesetzt wurde. Da verzeiht man auch stellenweise Schwächen bei der Maske, effekttechnisch ist Planet Terror ein echter Hingucker geworden.
Die deutsche Synchro ist, wie auch schon bei Death Proof im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Die Sprecher geben sich sichtlich Mühe und die Dialogregie versteht ihr Handwerk offenbar. Bis auf ein paar kleinere verpatzte Anspielungen, die jetzt schlicht keinen Sinn mehr machen, erfreulich gut umgesetzt. Achja, und wer auch immer entschieden hat, es sei eine gute Idee Naveen Andrews mit Matthew Foxs Synchronstimme zu besetzen gehört erschossen.
Lost-Fans dürfen sich also auf eine zusätzliche Portion weirdness freuen
Fazit: Für sich gesehen ist Planet Terror einfach ein sehr guter Zombiefilm, der erfreulich aus der Masse an zweifelhaften Neuverwurstungen von Horrorklassikern der letzten Jahre heraussticht, und den Vergleich mit From Dusk Till Dawn zu keiner Sekunde scheuen muss. Leichte Abzüge handelt sich Rodriguez dafür ein, dass an einigen Stellen doch die Pferde mit ihm durchgegangen sind und seine Goreeinlagen ins Geschmacklose abgleiten.
Als Double Feature zusammen mit Death Proof kann der Film dann seine Stärken voll ausspielen. Die zahllosen Anspielungen und Querverweise machen klar, dass Grindhouse am Besten funktioniert, wenn man ihn als einen Film mit zwei Episoden betrachtet, wie es ja auch ursprünglich vorgesehen war. Wer die Chance hat, die beiden Filme noch einmal zusammen im Kino zu sehen, sollte diese auf jeden Fall wahrnehmen.
Einzelwertung: 9/10
Gesamtwertung Grindhouse: 10/10
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