Vaudeville
King Kong
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Naomi Watts, Jack Black, Adrien Brody
King Kong bei IMDb
Auch dieses Jahr läd Peter Jackson wieder pünktlich zum Jahresende in die Kinos. Zwar geht es diesmal nicht ins Auenland, sondern auf eine geheimnisvolle Insel im Südpazifik, sonst ist aber alles beim Alten.
Die Story ist schon beinahe Popkultur. Das Original von 1933 war für die Filmgeschichte weit wichtiger, als viele heute gerne zugeben, entsprechend gibt es kaum jemanden, der die Geschichte vom Riesenaffen und der weißen Frau noch nicht kennt. Jackson weiss das, und nutzt es zu seinem Vorteil. Das der Film es dennoch auf über drei Stunden Länge schafft, liegt vor Allem an zwei Dingen: Zum einen ist es die erstaunliche Detailversessenheit, mit der Jackson bei seinen Erzählungen vorgeht. Die pure Fülle an Ideen und Themen die hier aufgegriffen werden, hätten für eine TV-Miniserie ausgereicht (und man wird das Gefühl nicht los, dass Jackson gut daran getan hätte, diese Form einem Kinofilm vorzuziehen) und die zahllosen Verweise und Anspielungen auf den '33er King Kong dürften jedes Fanherz höher schlagen lassen. Der zweite Grund ist weitaus unschöner: Im mittleren Drittel verzettelt sich Jackson zunehmend in ausufernden Actionsequenzen, die durch ihre Länge und Einfallslosigkeit sehr schnell ermüden. High-End-CGI hin oder her, letztlich wirken viele Actionsequenzen extrem unrealistisch und zu einer künstlerische Bildsprache finden die Animatoren ironischerweise fast nur in den ruhigeren Szenen.
Überhaupt scheint der übermäßige Einsatz von CGI schon den puren Begriff der Bildsprache ad absurdum zu führen, mehr noch als im Herrn der Ringe. Ein einheitlicher Stil, eine Handschrift ist kaum erkennbar, jedwede Kunst versinkt in stumpfer Künstlichkeit. Hier zeigt sich wieder einmal deutlich eines der gravierendsten Probleme, die der Einsatz von Computergrafik in allen Medien mit sich bringt. Und bei aller Technikliebe: Hand aufs Herz, realistischer als moderne Stop-Motion Technik sieht CGI noch lange nicht aus.
Was aber sehr viel mehr stört als die technischen Details, an die man sich als Popcornkinogänger mittlerweile sowieso gewöhnt haben dürfte, ist Jacksons unerträglicher Hang zum Spektakel. Die Wunder der Welt zum Preis einer Eintrittskarte, viel mehr scheint uns Jackson im zweiten Drittel des Films nicht bieten zu wollen. Was bleibt ist eine unbestimmte Leere, trivialer Hokuspokus, amüsant, keine Frage, aber irgendwie pointless. Vaudeville.
Diese Leere spiegelt sich auch im Drehbuch wieder, das dem durchaus lohnenden Stoff leider keinerlei neue Aspekte abgewinnen kann. Zuviel Weichspüler und zu wenig Handlung, einige der interessantesten Szenen des Originals wurden einfach ersatzlos gestrichen. Jackson legt den Fokus eindeutig auf die Lovestory zwischen Kong und Ann, ohne jedoch den speziellen Besonderheiten die diese Konstellation mit sich bringt weitere Beachtung zu schenken. So bleibt der Affe am Ende trotz der Sympathien des Publikums reichlich farblos und ohne Seele.
Umso glänzender wirkt dagegen sein Counterpart: Naomi Watts spielt als Ann Darrow mühelos das gesamte übrige Cast samt Affen an die Wand. Auch wenn Fay Wray noch im Abspann als 'uncomparable' bezeichnet wird, muss man zugeben, dass Naomi Watts das gelingt, was das Drehbuch zu keinem Zeitpunkt schafft, nämlich die Figur über bloße stereotype Zweidimensionalität mit Leben zu erfüllen. 10/10 Punkten für diese grandiose Schauspielleistung!
Auch der Rest des Casts ist alles andere als schlecht: Jack Black als obsessiver Regisseur ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber höchst lohnenswert, während 'Pianist' Adrien Brody souverän den Jack Driscoll mimt, aber leider zu jedem Zeitpunkt sichtlich unterfordert ist. Hier zeigen sich wieder die Schwächen der Regie, die es nur selten versteht Brodys Stärken hervorzuheben.
Die Kamera ist ein Kapitel für sich. Größtenteils unauffällig, zaubern die Animatoren hin und wieder eine derart atemberaubende Kamerafahrt auf die Leinwand, das einem beinahe die Luft wegbleibt. Wie schon im Herrn der Ringe kann man in solchen Momenten zumindest erahnen, welche Möglichkeiten CGI dem Kino böte, wenn man es denn nur mal richtig einsetzen würde.
Nicht ganz so spektakulär, dafür aber umso amüsanter wird es, wenn Jackson seinen eigenen Stil aus den frühen 90ern zitiert. Wer hat die Selbstreferenzen an Braindead bemerkt?
Schade nur, dass solcherlei Momente viel zu selten vorkommen und die Kamera sich allzuoft im bloßen Einfangen eines belanglosen Spektakels verliert. Warum man ausgerechnet hier nicht mehr Mut und Experimentierfreude bewiesen hat, ist wirklich schleierhaft.
Mit dem Schnitt verhält es sich ähnlich. Hin und wieder erspäht der aufmerksame Zuschauer eine wirklich intelligente Montage, was aber leider im Verlaufe der drei Stunden viel zu selten der Fall ist. Die meisten Actionszenen sind in schlechtester Hollywood-Blockbuster-Manier in unerträglich viele Fetzen zerstückelt und entbehren jeder Ästhetik oder gar Intelligenz.
Der Soundtrack besteht zum Großteil aus modernisierten Fassungen der Originalthemen von 1933, sowie diversen Swingeinlagen, die für ein wenig Zeitkolorit sorgen. Nett, aber nicht sonderlich eindrucksvoll.
Kostüme und Ausstattung sind ebenfalls nicht wirklich herausragend, zumindest wenn man sich das verbratene Budget ins Gedächtnis ruft, hier bietet der Stoff aber auch einfach nicht genug Angriffsfläche.
Fazit: Irgendwie ist es schon paradox. Im zweiten Drittel ist der Film oft viel zu ausschweifend, dafür fehlt es an vielen anderen Stellen spürbar an Erzählzeit. Die Handlung hält sich sehr eng an das Original, entbehrt insbesondere jeder Modernisierung, kürzt aber ohne Erklärung für das Original wesentliche Szenen. Die künstlerische Qualität der CGI schwankt so stark, dass man fast glaubt die Übergänge von einem Animationsteam zum anderen spüren zu können. Eine klare Richtung ist jedenfalls nicht erkennbar, und je länger man über den Film nachdenkt, desto stärker beschleicht einen das Gefühl, dass Jackson selbst eigentlich gar nicht nachdachte, als er diesen Film drehte. Was bleibt da unterm Strich?
Ein handwerklich solider, unterhaltsamer Abenteuerfilm mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin, leicht nostalgischem Touch und schwacher Regie und Drehbuch. Die Wunder der Welt zum Preis einer Eintrittskarte. Vaudeville.
Wertung: 6/10
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