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It started with a chair

Juno
Regie: Jason Reitman
Darsteller: Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, J.K. Simmons
Juno bei IMDb

Seit einigen Jahren ist es gang und gäbe, dass amerikanische Low-Budget Komödien den Drehbuch-Oscar mit nach Hause nehmen, zuletzt solche Filme wie Little Miss Sunshine oder Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Und auch in diesem Jahr ging der Drehbuchoscar an eine Komödie, nämlich Diablo Cody's Debütskript für Juno.

Juno greift das zur Zeit in Amerika recht beliebte (und meist erstaunlich gut umgesetzte) Filmthema ungewollte Schwangerschaft auf. Ellen Page verkörpert die titelgebende Juno MacGuff, eine Sechzehnjährige Göre aus Minnesota, die nach einem One Night Stand mit dem unscheinbaren Paulie Bleeker plötzlich mit den ungeplanten Folgen jener Nacht zu kämpfen hat.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Blockbusterkomödien, setzen Low-Budget Komödien in der Regel eher auf schräge Figuren und scharfe Dialoge als auf Situationskomik. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass einem die Gags nicht wie in vielen anderen Produktionen mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht geschlagen werden, sondern die Filmemacher etwas mehr Feingefühl an den Tag legen. Man kann lachen, muss man aber nicht.
So besticht auch Juno durch ein Sammelsurium an skurrilen aber liebenswerten Charakteren, allen voran der von Michael Cera brilliant gespielte Vater-wider-Willen Paulie Bleeker, dessen Figur weit tiefsinniger ist, als das der Trailer vermuten lässt. Ohnehin sollte man von Trailern zu Juno die Finger lassen. Außer dass einige Gags und wichtige Plot-Twists verraten werden, sind die nämlich kaum zu was gut; die Stimmung die Regisseur Reitman langsam aber gekonnt aufbaut, können sie nicht einmal erahnen lassen.

Jason Reitman dürfte Kinogängern vielleicht noch wegen seines Thank You for Smoking in Erinnerung sein, sein Vater Ivan dagegen ist ein echter Veteran was Komödien angeht (u.a. Ghostbusters, Dave und die drei Schwarzenegger-Komödien). Große Fußstapfen also, die der jüngere Reitman aber problemlos ausfüllen kann. Dabei zeigt vor Allem Juno, dass die Parallelen zu seinem alten Herrn tatsächlich größer sind, als man auf den ersten Blick annehmen könnte: Wie schon bei seinem Vater leben auch Jason Reitmans Filme vor allem davon, dass es ihm gelingt Underdogs mainstreamfähig zu machen. Natürlich sehen die Underdogs im Jahre 2007 etwas anders aus, als die von 1984, aber das ändert nichts daran, dass beide Filme im Grunde vom selben Schlag sind. Oder hält es irgendjemand für Zufall, dass die Hauptrolle in der Mutter aller 21st-Century-Low-Budget-Komödien, Lost in Translation, mit dem selben Hauptdarsteller besetzt wurde, der 1984 schon als Geisterjäger unterwegs war? ;)

Womit wir auch gleich beim einzigen Problem von Juno angelangt wären: Low-Budget hin oder her, Juno ist übelster Mainstream, und jeder der etwas anderes denkt, ist schlicht der Marketingmaschine von Fox auf den Leim gegangen ;)
Dessen sollte man sich bewusst sein bevor man ins Kino geht, Indie- oder gar Undergroundkomödien sehen anders aus (und kommen meistens aus Skandinavien :D). Ist Juno deswegen ein schlechterer Film? Nein, nur vielleicht ein kleines bisschen unehrlich rolleyes

Soviel zur Kritik, kommen wir jetzt zu Junos Stärken, nämlich dem zurecht Oscar-prämierten Drehbuch. Junos Schnodderschnauze steht höchstens mal aus dramaturgischer Notwendigkeit still und wenn sie redet, redet sie gut. Die Dialoge sind messerscharf, das Timing sitzt wo es hingehört und beinahe jede Figur macht im Laufe des Films eine glaubhafte, oft unerwartete Entwicklung durch. Kurzum: Wenn alle Komödien so gut geschrieben wären wie Juno, hätten die Kinos auch weniger Probleme ihre Säle vollzukriegen ;)

Das Ensemble spielt dabei ausnahmslos hervorragend, wobei natürlich Ellen Page besonders heraussticht. In einem Satz: Ellen Page ist Juno MacGuff. Nuff said.
Aber auch die Nebenrollen können sich sehen lassen: J.K. Simmons als Juno's leicht überforderter Vater, ebenso wie Olivia Thirlby als die obligatorische beste Freundin der Hauptdarstellerin, oder Emily Perkins in einem Cameo als sexsüchtige Rezeptionistin einer Abtreibungsklinik.

Erwähnung verdient außerdem der hervorragende Soundtrack, der zum Besten an Feel-Good-Mucke gehört, was es in den letzten Jahren im Kino zu hören gab. Prominenteste Stimme auf dem Soundtrack dürfte Ex-Moldy Peach und Anti-Folk-Legende Kimya Dawson sein, deren Stil klar die Richtung für den gesamten Soundtrack angibt und wunderbar mit dem verspielt-melancholischen Film harmoniert.


Fazit: Auch wenn es die Marketingkampagne nicht gerade einfach macht, Juno ist ein Film den man einfach mögen muss. Es ist alles da was eine gute Komödie braucht: Ein tolles Drehbuch, spielfreudige Darsteller, ein Regisseur mit einem Gespür fürs Timing und darüberhinaus noch ein erstklassiger Soundtrack.
Klare Empfehlung für jeden, außer vielleicht für Leute, die aus Prinzip nur Actionfilme im Kino schauen... aber solche Leute mag eh niemand.


All I Want Is You - Der Titelsong zu Juno


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