And miles to go before I sleep...
Für den unbekannten Hund
Regie: Ben & Dominik Reding
Darsteller: Lukas Steltner, Sascha Reimann (a.k.a. Ferris MC), Zarah Löwenthal
Für den unbekannten Hund bei IMDb
Nachdem das deutsche Kino dieses Jahr bereits mit Akins fantastischem
Auf der anderen Seite
überzeugen konnte, findet nun zum Jahresende ein weiterer ungewöhnlicher Film aus heimischer Produktion
den Weg in die Programmkinos. Für den unbekannten Hund beschäftigt sich in erster Linie mit dem Leben der
Gesellen auf Walz. Was im 18. Jahrhundert noch Pflicht für jeden ausgebildeten Handwerker war, mutet heute auf
den ersten Blick etwas anachronistisch an. Umso erstaunlicher, wie selbstverständlich es dem Film gelingt, den
Einfluss der Wanderschaft auf das Leben eines jungen Menschen nachzuzeichnen.
Im Mittelpunkt steht der von Lukas Steltner gespielte Bastian, seines Zeichens ausgebildeter Betonbauer und
frisch aus dem Gefängnis entlassen, wo er einsaß, weil er im Suff einen Landstreicher erschlug. Bastian ist
dabei nicht unbedingt der klassische Sympathieträger. Ein Baggypants tragender Asi, mit typischer 08/15
Hiphopper-Hauptschulhof-Gelhaarfrisur, dem sein Handy oft wichtiger ist als die Freundin. Sein erbärmlich
perspektivloses Leben gerät in Fahrt, als er auf einer Kneipentoilette mit zwei betrunkenen Gesellen
zusammenstößt, wodurch er schließlich Einblick in die Welt der zünftigen Wanderer erhält. Fasziniert von der
Lebensart, die so gar nichts mit der seinen gemeinsam zu haben scheint, setzt er sich in den Kopf auch auf
Wanderschaft zu gehen. Zwar verbietet das Zunftgesetz einem Vorbestraften auf Wanderschaft zu gehen, aber mit
Lügen hatte Bastian noch nie sonderlich Probleme. Sehr viel schockierender ist für ihn eher, dass er Handy und
Playstation für drei Jahre stehen lassen muss...
Der Großteil des Films dreht sich um die Beziehung zwischen Bastian und Festus, der Bastian als Mentor zur Seite
steht und vom stellenweise beeindruckend hässlichen Sascha Reimann gespielt wird. Durchaus differenziert wird
beschrieben, wie die Wanderschaft nach und nach die Gesellen verändert, wie sie ihnen Kraft gibt und Toleranz
lehrt, aber auch den Preis den sie dafür verlangt.
Der Film lebt in erster Linie von seiner fantastischen Atmosphäre. Passend zum Szenario sind die Dialoge zum
Großteil im anachronistischen Jargon der Wandergesellen gehalten, einem durch altdeutsche Redewendungen, aber
auch dem Jiddischen geprägten, zur deftigen Wortwahl neigenden Dialekt, wodurch die Dialoge eine eigentümliche
Eleganz entwickeln, die durchaus Assoziationen an die Sprache von Goethe et al. weckt. Das spiegelt sich bereits
in den Namen der Wandergesellen wieder: Festus, Schmiege, Samarit, Fredel... Keine typisch ostdeutschen Namen
heutzutage

Die Kulissen schließen sich diesem Tenor an. Neben schummrig dunstigen Kellern, nebligen Wäldern mit knorrig
kahlen Ästen und dem weiten Grau der winterlichen Straßen, erwarten den Zuschauer auch Ausflüge in eine barocke
Elbchausseevilla und in ein Striptease Lokal für Biker. Charakteristisch ist dabei die hervorragende
Ausleuchtung der Szenen, die jedem dieser Orte etwas Unwirkliches verleiht, als würden die Protagonisten durch
einen Traum wandeln.
Dennoch sind die Fragen um die es im Grunde geht überaus bodenständig: Freundschaft, Schuld, Trauer und
Vergebung.
Die Brüder Ben und Dominik Reding legen mit Für den unbekannten Hund ihren zweiten Langfilm vor. Ungewöhnlich ist
dabei die Art der Finanzierung, da der Film zwar durch staatliche Fördermittel finanziert wurde, es aber keine
Produktionsbeteiligung von Fernsehsendern gab, wie es bei Produktionen dieser Art sonst üblich ist.
Handwerklich überzeugt der Film vor allem durch seine Kameraarbeit. Neben der bereits angesprochenen Beleuchtung
gibt es eine ganze Reihe ungewöhnlicher Blickwinkel und bizarrer Bilder zu bewundern. Das Drehbuch überzeugt vor
allem mit gelungenen Dialogen und einer faszinierenden Sprache, die Figurenzeichnung ist dagegen stellenweise
etwas platt und der Handlungsverlauf zuweilen arg vorhersehbar. Die Schauspieler agieren, wie in solchen
Produktionen üblich, zuweilen etwas hölzern, können aber durch Charme und Spielfreude überzeugen. Neben den
bereits erwähnten Steltner und Reimann, fällt auch Zarah Löwenthal auf, die hier ein durchweg überzeugendes
Debüt abliefert.
Unterm Strich hat der Film sicherlich seine Macken, aber nichts davon kann den Gesamteindruck übermäßig
trüben.
Fazit: Wer sich durch das ungewöhnliche Szenario nicht abschrecken lässt, sollte dem Film eine Chance geben.
Die originelle Idee, gepaart mit den einzigartigen Dialogen und der gelungenen Bildsprache, lohnen den Gang ins
Kino allemal und machen den ungewöhnlichen Einblick in die Welt der zünftigen Gesellen, zu einem würdigen
Abschluss für ein überdurchschnittlich gutes Kinojahr. Und wenn wir dieses Jahr eines gelernt haben, dann das
Filme mit gewissen Robert Frost Zitaten einfach geguckt gehören, also keine Ausreden mehr jetzt
Eine Liste mit allen Kinos die den Film spielen gibts auf der
offiziellen Homepage des Films.
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