The road to awe
The Fountain
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn
The Fountain bei IMDb
How can this be so?
If all men and women are to be immortal, then who shall live in Heaven?
Der Film:
Inmitten des kosmischen Nebels, dessen goldener Schimmer von dem sterbenden Stern in seinem Innern ausgeht, gleitet eine Seifenblase durch das All. In sich birgt sie die letzten Überreste von Eden, den Baum des Lebens. An seiner Spitze sehen wir einen Mann, kein Haar wächst an seinem Körper, stattdessen zieren schwarz tätowierte Jahresringe seinen Arm. Viele Ringe für viele Jahre. Langsam schwebt er zu Boden und schreitet schließlich auf den mächtigen Baum zu...
The Fountain ist vor allem ein Film der Bilder.
Eine Inhaltsangabe würde dem Film allein aus dem Grund nicht gerecht werden, da sie nur schwer länger als zwei Sätze sein könnte. Daher soll an dieser Stelle auch gar nichts weiter zur Story erzählt werden, es lohnt sich nämlich wirklich den Film unvorbereitet zu genießen. Wer sich trotzdem vor dem Kinobesuch einstimmen möchte, schaut sich am Besten vorher noch einmal Aronofskys frühere Filme,
Pi und
Requiem for a Dream an, obwohl (oder gerade weil?

) beide stilistisch in eine völlig andere Richtung gehen als The Fountain.
Fast sechs Jahre dauerte es, ehe The Fountain seinen Weg in die Kinos fand. Die Produktion stand zwischenzeitlich komplett vor dem Aus, es grenzt fast an ein Wunder, dass der Film überhaupt fertig geworden ist. Das Ergebnis der Mühe ist durchaus sehenswert, wenn auch vielleicht auf andere Art als erwartet.
Wer das Netz nach Kritiken durchforstet findet das Publikum gespalten in zwei Lager: Die Einen verreißen den Film gnadenlos, die Anderen loben ihn in den Himmel, beides meist aus den falschen Gründen. The Fountain ist sicher kein einfacher Film. Eine simple aber kontroverse Botschaft, formal hochkomplex verpackt in drei Erzählebenen, die sich über eintausend Jahre Menschheitsgeschichte erstrecken und dabei ausgiebig Maya-Mystik mit christlichen Motiven und einer Prise Esoterik kombinieren, das ganze in feinster Cut-Up-Manier montiert. Da ist man schonmal zeitweise drauf und dran sich zu fragen: Wozu der ganze Aufwand?
Große Philosophie bietet der Film nämlich genausowenig wie Popcorn-Ästhetik, stattdessen aber konzentriert sich Aronofsky auf das Wesentliche: Emotion.
The Fountain erzählt seine Geschichte nicht so sehr in Worten, sondern eher in Stimmungen. Aronofskys Haus- und Hofkameramann Matthew Libatique filmt mit einer unglaublichen Sensibilität fürs Detail, die Ausleuchtung der Sets wie die gesamte Mise en scène sind nahezu perfekt (Tipp: Den Film unbedingt im Kino sehen, selten kamen die Vorteile der Leinwand so zum Tragen wie hier). Zusammen mit den wunderschönen Spezialeffekten, die übrigens, dem Himmel sei Dank, fast ohne CGI-Unterstützung auskommen, schafft sich Aronofsky seinen eigenen visuellen Mikrokosmos, die Bildsprache des Films wird nicht zu Unrecht oft einfach als 'einzigartig' beschrieben. Abgerundet wird das Ganze durch den meditativen Schnitt von Jay Rabinowitz, der hier eher an seine Arbeit für Jarmusch's
Dead Man anknüpft, als an
Requiem for a Dream.
Einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag zur Gesamtstimmung leistet auch Clint Mansells hervorragender Soundtrack. Akustisch lässt sich The Fountain am ehesten als "Philip Glass inszeniert Requiem for a Dream" beschreiben. Eigentlich kein Wunder, immerhin spielte das Kronos Quartett die Streicherpassagen ein. Daneben tummeln sich auch die schottischen Postrocker Mogwai auf dem Soundtrack, wer darüber mehr wissen will, fragt am Besten mal Talwin ^_^
Schauspielerisch kann vor Allem Rachel Weisz überzeugen. Sie spielt ihre Rolle(n) mit einer gefühlvollen Zurückhaltung, verleiht der Figur aber dennoch eine ungeheure Tiefe. Ellen Burstyn, Oscar-nominiert für Requiem for a Dream, überzeugt schon fast durch ihre bloße Präsenz auf der Leinwand, kann aber mit ihrer kleinen Nebenrolle nur relativ wenig Einfluss nehmen. Die männliche Hauptrolle besetzt Hugh Jackman, der seinen Job auch nicht schlecht macht. Die extremen Stimmungsschwankungen seiner Figur machen die Rolle nicht gerade einfach, Jackman umschifft die Untiefen aber relativ sicher und kann insgesamt trotz kleiner Schnitzer überzeugen.
Fazit:
Eine abschließende Wertung für den Film zu vergeben ist nicht einfach. Wer sich auf die eigentümliche Mischung nicht einlässt, wird The Fountain hassen. Wer die Bildsprache nicht blickt, wird sich einfach nur langweilen. Und wer zwanghaft nach einer Botschaft sucht, wird das Wesentliche einfach übersehen.
Wer aber auf den Film anspricht und sich mitreißen lässt, den erwartet eines der intensivsten Kinoerlebnisse seit Langem. Die unglaublichen Bilder graben sich tief ins Gedächtnis, der Soundtrack ist ebenso eingängig wie grandios und die Stimmung verfolgt einen noch nach Tagen. Darüberhinaus ist es einfach ein Riesenspaß Aronofsky bei der Arbeit zuzusehen, handwerklich ist das schon alles sehr nah an der Perfektion.
Also, schwierig hin oder her, wir sind ja nit zum Spaß hier:
Wertung: 10/10
Ab ins Kino ihr Boons!
Der Comic:
Als Warner Ende 2002 die Produktion von The Fountain noch vor Beginn der Dreharbeiten einstellen wollte, sah es eine Zeitlang so aus als gäbe es für Aronofsky nur eine Möglichkeit seine Geschichte doch noch unters Volk zu bringen, nämlich als Comic beim Ausnahmelabel Vertigo (das übrigens auch wieder zu Warner gehört). Als Zeichner vermittelte Vertigo-Chefin Karen Berger den Amerikaner Kent Williams, der stilistisch wohl am ehesten als minimalistischer J.M. DeMatteis zu beschreiben ist.
Seine Arbeit für The Fountain erinnert streckenweise stark an Dave McKean's Cages, erreicht aber leider zu keinem Zeitpunkt dessen technische Raffinesse. Gerade im direkten Vergleich zum Film wirkt sein Artwork erschreckend schal.
Viel gravierender ist aber, dass im Comic die Schwächen des Drehbuchs viel stärker zur Geltung kommen. Die Einsilbigkeit der Dialoge, die Lücken in der Handlung, alles wirkt irgendwie unfertig. Darüberhinaus merkt man Aronofsky seine mangelnde Erfahrung mit dem Medium auch an. Die Story ist zwar straffer, aber eine Identifikation mit den Figuren findet kaum statt.
Die Klimax des Films geht dann auch im Comic völlig an einem vorbei. Wenn schon Cages kopieren, dann aber bitte richtig, da wurde doch gezeigt wie so was auszusehen hat...
Immerhin gibts noch ein paar schöne Quotes die es nicht in den Film geschafft haben, aber das ist wohl eher für Fans des Films als für ambitionierte Comicleser interessant.
Fazit: Der Comic ist insgesamt eine Enttäuschung. Das Artwork ist zwar an und für sich nicht schlecht, kann aber die Story letztlich nicht tragen. Sowohl Aronofsky als auch Williams fehlt es merklich an Erfahrung mit dem Medium, weshalb der "ultimative Director's Cut" (Klappentext) eben doch nicht mehr ist als ein "Comic zum Film".
Wertung: 4/10
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