Did I ever tell you I been struck by lightning seven times?
The Curious Case of Benjamin Button
Regie: David Fincher
Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Taraji P. Henson, Tilda Swinton, Julia Ormond
Benjamin Button bei IMDb
Es geht wieder auf die Oscars zu und entsprechend feuern die deutschen Verleihe im Moment aus allen Rohren jene großen Hollywoodschinken, die dann hoffentlich bei der Verleihung in knapp drei Wochen als Sieger hervorgehen. Einer der diesjährigen Favoriten, zumindest wenn man den Fehler macht nur nach der Zahl der Nominierungen zu gehen, ist dabei Finchers
The Curious Case of Benjamin Button.
Bereits in den ersten Minuten macht Fincher deutlich worum es ihm geht. Kein Vorspann, nicht einmal der Titel des Films huscht über die Leinwand, stattdessen erzählt uns eine bis zur Unkenntlichkeit gealterte Cate Blanchett eine Parabel über Krieg und Vergänglichkeit. Sie bildet den Rahmen für das nun folgende Epos, den Vorfilm für ein klassisches Stück Hollywood-Erzählkunst. Im Mittelpunkt steht der von Brad Pitt verkörperte Benjamin Button, der sich dadurch auszeichnet, dass er als Greis im New Orleans des Jahres 1918 das Licht der Welt erblickt und im Laufe seines Lebens immer jünger wird. Seine geistige Entwicklung folgt zwar der eines normalen Menschen, aber sein Körper altert rückwärts.
Anders als in Zemeckis'
Forest Gump hetzt Fincher seinen Protagonisten nicht von einem geschichtsträchtigen Ereignis zum nächsten, sondern konzentriert sich fast ausschließlich auf die Beziehungen seiner Figuren. Das Personal bleibt dabei für einen Film dieser Länge vergleichsweise überschaubar. Zwar sind die Nebenrollen durchweg hervorragend besetzt, ihre Screentime hält sich aber in engen Grenzen. Zentral für die Handlung bleibt einzig Benjamins Verhältnis zu der von Cate Blanchett gespielten Daisy, eben jener alten Frau also, deren Tod im Jahre 2005 das Ende der Geschichte und den Rahmen des Films markiert. Bemerkenswert ist dabei, dass sowohl Blanchett als auch Pitt ihre Figuren in fast allen Lebensabschnitten selbst spielen. Neben der tadellosen schauspielerischen Leistung, sorgen vor allem die hervorragende Maske und die Spezialeffekte dafür, dass dies immer glaubhaft gelingt.
Die Erzählweise ist für Finchers verhältnisse überraschend ruhig und erinnert dadurch eher an
Zodiac als an seine früheren Werke (
Fight Club,
Se7en). Allzugroße Überraschungen bietet die Handlung jedenfalls nicht, im mittleren Drittel spielt nicht einmal Benjamins eigentümlicher Alterungsprozess eine besondere Rolle. Entschädigt wird man hierfür durch teils wunderschöne Bilder, wie sie eben nur Hollywood hervorbringt. Kameramann Claudio Miranda, der hier erstmals bei einer Produktion dieser Größe federführend tätig ist, meistert seinen Job jedenfalls hervorragend. Cate Blanchett tanzend im Mondlicht, zum fernen Klang einer New Orleanser Jazzkapelle, das hat was. Klar ist das Kitsch, aber was habt ihr erwartet?
Die größte Schwäche des Films bleibt wohl das Skript von Eric Roth. Große Überraschungen darf man von der Handlung ebensowenig erwarten wie erzählerisches Feingefühl. War der Subtext bei
Forrest Gump noch so versteckt, dass die meisten Zuschauer ihn glattweg übersahen, prügelt Benjamin Button seine Metaphern mit einem großen Holzhammer ins Publikum. Legitim ist das insofern, als dass der Film eigentlich keine große Botschaft zu verkaufen hat, sondern einfach Gefühle auf die Leinwand bannen will. Das gelingt allerdings durchaus überzeugend. Insofern sollte den Film vielleicht eher in der Tradition klassischer Schmachtfetzen à la
Gone With the Wind sehen.
Bemerkenswert sind die Stellen, in denen es Fincher dann doch schafft, durch die pure Eleganz seiner Inszenierung dem Zuschauer den Atem zu rauben. Stellvertretend sei hier nur die Schilderung von Daisys Unfall genannt, die so brilliant eingeleitet und ausgeführt ist, dass man hier allein mehr Gänsehaut hat, als während der gesamten zweieinhalb Stunden von
Australia zusammengenommen.
Hier offenbaren sich dann die wahren Qualitäten eines Regisseurs, der zunächst doch auf einen sehr engen Typus Film festgelegt schien, sich dann aber stetig zu einem der fähigsten und interessantesten Leute in Hollywood gemausert hat. Ich für meinen Teil bin jedenfalls nach Benjamin Button mehr denn je gespannt auf Finchers Beitrag zum neuen
Heavy Metal
Ein Wort noch zu den Visual Effects: Tricktechnikinteressierte Filmfreunde sollten sich den Film auf jeden Fall sehr genau ansehen. Das Niveau der Effekte ist durchweg beeindruckend und entschädigt für so einige CGI-Gurken, die uns Hollywood in jüngster Vergangenheit serviert hat. Den Visual Effects Oscar sollte Benjamin Button jedenfalls in diesem Jahr keiner ernsthaft streitig machen können.
Fazit: Hollywood klotzt.
Benjamin Button ist handwerklich sicherlich eines der beeindruckendsten Werke, die das amerikanische Mainstreamkino in den letzten Monaten hervorgebracht hat. Wer sich am seichten Drehbuch nicht stört, Spaß an hervorragender Schauspielerei hat und das nötige Sitzfleisch für die knapp drei Stunden Lauflänge mitbringt, darf sich auf einen hervorragenden Film alter Schule freuen.
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