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Wanderer, kommst du nach Sparta...



300
Regie: Zack Snyder
Darsteller: Gerard Butler, Lena Heady
300 bei IMDb


Seit Frank Miller als kleiner Junge den Film Der Löwe von Sparta gesehen hatte, war er von der Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. fasziniert. Praktisch sein gesamtes Spätwerk ist durchzogen von Anspielungen auf dieses Thema. Im Jahr 1999 veröffentlichte er 300, eine fünfteilige Miniserie die sich ausschließlich mit dem Schicksal der 300 griechischen Soldaten beschäftigt. Nun läuft mit dem Film 300 die zweite Verfilmung eines Miller-Comics im Kino an und führt die Geschichte damit gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück.

In Millers Gesamtwerk nimmt 300 eine zentrale Stellung ein. Es ist sowohl Superheldengeschichte als auch Noir-Thriller, darüberhinaus eine subtile und hochintelligente Geschichte verpackt in grobschlächtige, brutale Bilder. 300 erinnert bereits als Buch an einen epischen Historienfilm mit seinem breiten Cinemascopeformat und seinen protzigen Splashpanels. Ein Stoff prädestiniert für die große Leinwand.

Verantwortlich für die Verfilmung zeichnet Zack Snyder, der mit dem Remake des Romero-Klassikers Dawn Of The Dead vor zwei Jahren ein überzeugendes Regiedebüt ablieferte. Wie auch schon Rodriguez' Sin City präsentiert sich 300 als reiner Greenscreen-Film, sprich ausschließlich Studioaufnahmen mit digital eingefügten Hintergründen und ausschweifendes digitales Postprocessing. Keine schlechte Entscheidung, denn die Optik des Films steht Millers Vorlage in nichts nach und verleiht dem Film eine surreale Grundstimmung, was gerade den recht brutalen Schlachtszenen sehr zugute kommt. Das Drehbuch stammt ebenfalls von Snyder, im Gegensatz zu Sin City beschränkte sich Millers Einfluss hier auf das Bereitstellen der Vorlage. Eigentlich schade, denn das Skript ist der größte Schwachpunkt des Films. Im verzweifelten Versuch die Lauflänge über die 120-Minuten-Marke zu prügeln wurden einige lieblose Subplots eingefügt deren Qualität von nervig bis absolut schwachsinnig reicht. Minimalismus war seit jeher eines der wichtigsten Stilmittel bei Miller, in 300 sogar mehr als in jedem anderen seiner Werke: Kantige, einsilbige Sätze, grob geschnitzte Charaktere und Handlungen, die alle Worte überflüssig machen. Das ist nicht Mainstream und fürs breite Publikum sicherlich schwer zu verdauen, aber daran ändert auch eine eilig zusammengeschusterte Vater-Sohn-Geschichte nichts. Und die Ausführungen über die daheimgebliebene Königin, die sich prostituiert um dem Gatten die nötige Unterstützung im Senat zu verschaffen ist schlicht inkonsequent und führt weite Teile der Story ad absurdum. Gerade weil der Großteil des Films sich Sin-City-akribisch an die Vorlage klammert, wirken die Subplots unangenehm aufgesetzt und unpassend. Die Todsünde aller Historienfilme wird Snyder hier zum Verhängnis: Epische Handlung impliziert eben nicht epische Länge. Aber das ist wohl der Preis den man in Hollywood für adaptierte Verfilmungen zahlt, also Augen zu und durch.

Ansonsten gibt es nämlich bei 300 wirklich nicht viel zu meckern. Die Optik ist einfach grandios und entlohnt voll und ganz für den Weg ins Kino. Gerard Butler spielt den Leonidas laut, aber überzeugend und auch sonst ist 300 handwerklich grundsolide. Lediglich Leute mit einer Allergie gegen digital nachbearbeitete Bilder sollten einen Bogen um 300 machen, aber angesichts des augenblicklichen Trends zum Greenscreen werden diese Leute in Zukunft sowieso Probleme bei der Filmauswahl bekommen.

Noch ein Wort zur Gewaltdarstellung in 300: Mehr noch als Sin City ist die Welt von 300 bevölkert von chauvinistischen Macho-Egomanen. Wer sich darauf nicht einlassen kann, wird von 300 nicht viel haben, hier gibts aufs Maul und das nicht zu knapp. Der subtile kritische Unterton, der in der Handlung ständig mitschwingt, ist im lauten Schlachtgemetzel leicht zu übersehen, weshalb jedem die Lektüre der Vorlage vor dem Kinobesuch ans Herz gelegt sei. Wer dort schon angesichts der Miller-typischen Charakterzeichnung das Würgen kriegt, sollte auf den Film lieber verzichten, alle anderen können beruhigt das Geld für die Eintrittskarte investieren.

Achja, ehe ichs vergesse: Die deutsche Synchro ist, nach allem was ich bisher gesehen habe, mal wieder unter aller Sau, weshalb sich diese Rezension ausschließlich auf die Originalversion bezieht.


Fazit: Snyder umschifft die Untiefen des schwierigen Stoffes weitestgehend souverän, so dass man 300 im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnen darf. Visuell zieht der Film alle Register moderner Computertechnik, ein echtes optisches Highlight also. Hatte man im Trailer noch vereinzelt den Eindruck, dass die Schauspieler es mit dem Pathos doch etwas zu gut meinten, kann der Film hier auf voller Länge überzeugen. Es wird zwar immer noch verdammt viel gebrüllt, aber Snyder versteht sein Handwerk gut genug, um dies stimmig ins Gesamtbild einzugliedern. Die Story ist dabei weit vielschichtiger als man auf den ersten Blick vermuten würde, was aber bei einmaligem Ansehen angesichts der atemberaubenden Bilder kaum zu bemerken ist. In Kombination mit der Vorlage entfaltet 300 dann aber sein volles Potential.
Lediglich die bereits erwähnten Schnitzer im Drehbuch kosten den Film zwei Punkte und ergeben so eine



Wertung: 8/10



300 auf deutsch bei CrossCult
oder im Original bei Dark Horse.

Leseproben
Leseproben

Rezension der Vorlage bei Comicgate



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